Kürzlich hat das LG Krefeld der Klage eines unserer Lehman-Mandanten stattgegeben – allerdings nicht wegen einer Falschberatung, sondern aufgrund eines Widerrufes (Az.: 3 O 49/10). Die Zertifikate waren dem Anleger telefonisch verkauft worden. Dabei war er weder vor noch nach Vertragsschluss über sein Widerrufsrecht belehrt worden. Dieses steht ihm jedoch nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge grundsätzlich zu, wenn die Zertifikate ausschließlich telefonisch verkauft wurden und deren Preis auf dem Markt keinen Schwankungen unterlag.

Wir hatten den Widerruf erst in der mündlichen Verhandlung zum Schadensersatzprozess wegen Falschberatung erklärt, nachdem zunächst unklar war, ob die Zertifikate nur am Telefon verkauft worden waren. Das Gericht schien zunächst nicht nur überrascht, sondern auch überzeugt davon, dass das Widerrufsrecht ausgeschlossen sei. Letztlich ist das Gericht in seinem Urteil dann doch unserer Argumentation gefolgt und hat der Klage stattgegeben.

Das LG Krefeld scheint nicht nur das erste Gericht zu sein, das einem Anleger die Rückzahlung des Kaufpreises gegen Abtretung der erworbenen Zertifikate aufgrund eines Widerrufes zubilligt. Es hat das Urteil auch ausgezeichnet begründet, so dass es vielleicht anderen Gerichten die Entscheidungsfindung erleichtert. Die beklagte Bank hat zwischenzeitlich Berufung eingelegt, so dass sich nun bald auch das Oberlandesgericht Düsseldorf mit dieser Frage auseinandersetzen wird.

Für Anleger birgt ein bestehendes Widerrufsrecht einen großen Vorteil: Auf die Falschberatung kommt es nicht mehr an. Insbesondere die für den Schadensersatz wegen Falschberatung geltende Verjährungsfrist von drei Jahren ist daher in Zusammenhang mit einem Widerruf ohne Bedeutung.