bulle-und-baer

Der Schock sitzt tief: Kurz vor Ostern hat der auf Westdeutschland konzentrierte Modekonzern Steilmann SE Insolvenz angemeldet. Bei Mitarbeitern, Aktionären und Anleihegläubigern kommt diese Nachricht gleichermaßen überraschend. Wie geht es nun weiter mit den Adler- und Boecker-Modehäusern?

Noch im Herbst wollte der durch die Modehäuser Adler und Boecker bekannte Konzern etwa 100 Millionen Euro über einen Börsengang einnehmen, um Wachstum zu finanzieren. Im Ergebnis brachte dieser Schritt jedoch nur 8,8 Millionen Euro frisches Kapital. Weniger bekannt ist, dass der Bergkamener Konzern seit 2012 parallel dazu über drei Mittelstandsanleihen weiteres Kapital in Höhe von mehr als 70 Millionen Euro eingesammelt hat. Aktionäre und Anleihegläubiger bangen um ihr Kapital, die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze.

Infolge der Insolvenz erreichte uns bereits am Karfreitag die erste besorgte Anfrage eines Anleihegläubigers, der nicht nur um die ihm versprochenen Zinsen in Höhe von 6,75% bangt, sondern auch um die von ihm investierten 10.000 Euro“,
berichtet Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Dr. Jochen Strohmeyer, Partner bei mzs Rechtsanwälte in Düsseldorf.

Trotz Insolvenz der Steilmann Gruppe: Geschäfte bleiben nach Ostern geöffnet

Den Inhabern der zwischen 2012 und 2015 aufgelegten Steilmann-Anleihen könnte ein hoher Verlust drohen. Doch bislang – weiß Dr. Strohmeyer – ist noch nicht absehbar, inwieweit Verluste wirklich eintreten werden. Am Ostermontag teilte ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Frank Kebekus aus Düsseldorf mit, dass nicht nur die Adler Modemärkte, an denen Steilmann maßgeblich beteiligt ist, sondern auch die vor allem in Westdeutschland beheimateten zwölf BoeckerModehäuser auch nach Ostern zunächst geöffnet blieben. Oberste Priorität habe derzeit,die operativen Geschäfte der Gruppengesellschaften zu stabilisieren.

Anleihegläubiger sollten gemeinsamen Vertreter bestimmen
Um eventuelle Verluste so gering wie möglich zu halten, geht es für die Anleihegläubiger zum jetzigen Zeitpunkt vor allem darum, die im Rahmen des Insolvenzverfahrens bestehende Möglichkeit zu nutzen, ihre Interessen zu bündeln. Denn nach dem Schuldverschreibungsgesetz können die Anleihegläubiger einen gemeinsamen Vertreter bestimmen, der ihre Rechte aus einer Hand für alle Anleihegläubiger gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend machen kann. Dies – so Dr. Strohmeyer – scheint gerade bei Steilmann wichtig und vielversprechend zu sein, da nach den derzeit vorliegenden Informationen den Anleihegläubigern größere Verluste drohen könnten als den Aktionären. „Damit sie nicht als einzelner Kleinanleger unter denTisch fallen, empfiehltes sich, sich über eine Kanzlei oder den Insolvenzverwalter frühzeitig bemerkbar zumachen“,rät Dr. Strohmeyer.

Da die Insolvenz nur wenige Monate nach dem wenig erfolgreichen Börsengang eintrat, dürfte laut Dr. Strohmeyer zudem aufzuarbeiten sein, ob und inwieweit den Aktionären und Anleihegläubigern gegebenenfalls Schadensersatzansprüche wegen unzureichender Aufklärungzustehen.

Der Modekonzern aus dem Ruhrgebiet hatte nur knapp fünf Monate nach dem Börsengang am Donnerstag, 24. März 2016, beim Amtsgericht Dortmund einen Insolvenzantrag gestellt. An der Börse brach der Wert der Steilmann-Aktie um fast 87 Prozent ein. Das Steilmann-Management hatte die Notbremse gezogen, nachdem Sanierungsverhandlungen keinen Erfolg hatten. Der Steilmann-Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 8300 Mitarbeiter.

Interessengemeinschaft der Steilmann-Anleger

Für die aktuell noch unübersichtliche Lage im Zusammenhang mit der Steilmann Insolvenz bieten wir Ihnen eine kostenfreie Mitgliedschaft in unserer Interessengemeinschaft an. Wir werden Sie dann über alle aktuellen Informationen informieren. Zudem verfolgen Sie zusammen mit unseren anderen Mandanten das Ziel, im Insolvenzverfahren den so genannten „gemeinsamen Vertreter“ zu bestimmen, um größtmöglichen Einfluss auf das Insolvenzverfahren nehmen zu können.

Mitgliedschaft in unserer Interessengemeinschaft werden Sie, indem Sie uns Ihre Adressdaten einschließlich sowie eine Kopie aller relevanten Zeichnungsunterlagen zukommen lassen, denen insbesondere der von Ihnen investierte Betrag, die Bezeichnung der Anleihe (ISIN) und das Datum der Zeichnung entnehmbar sein muss.

Bestellung eines gemeinsamen Vertreters im Insolvenzverfahren

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens haben die Anleihegläubiger die Möglichkeit, ihre Interessen zu bündeln. Sie können nach dem Schuldverschreibungsgesetz (SchVG) insbesondere einen gemeinsamen Vertreter bestimmen, der aus einer Hand die Rechte für alle Anleihegläubiger gegenüber dem eingesetzten Insolvenzverwalter geltend machen kann. Dies dürfte gerade bei der Steilmann Insolvenz von Bedeutung sein, weil im Rahmen einer Verteilung des noch vorhandenen Vermögens vermutlich ein Interesskonflikt zwischen den Anleihegläubiger und den Aktionären zu Tage treten wird. Daher sollten die Anleihegläubiger ihre Interessen zügig bündeln.

Schadenersatzansprüche und Rechtsschutzversicherung

Ungewiss ist derzeit, ob und inwieweit Anleihegläubigern oder Aktionären im Zusammenhang mit dem Erwerb von Steilmann-Beteiligungen Schadensersatzansprüche zustehen könnten. Dies käme insbesondere in Betracht, wenn Investoren aufgrund falscher Versprechungen, z.B. Falschangaben in Prospekten oder Beratungsgesprächen zum Geldanlegen geworben wurden.

Wir raten insoweit, nicht zu schnell aktiv zu werden, sondern zunächst noch etwas abzuwarten und die Lage zu beobachten. Schließlich ist derzeit noch ungewiss, welches Vermögen bei Steilmann noch vorhanden ist.

Sofern Sie die Verfolgung von Schadenersatzansprüchen in Betracht ziehen, sollten Sie insbesondere klären, ob Sie über eine Rechtsschutzversicherung verfügen und diese dazu verpflichtet ist, die Kosten der rechtlichen Verfolgung Ihrer Interessen zu übernehmen. Am besten, Sie nehmen diesbezüglich telefonischen Kontakt mit Ihrer Versicherung auf.

Adler und der Hauptaktionär Steilmann

Nach den bisherigen Kenntnissen dürfte es sich so verhalten, dass die deutschlandweit mehr als 170 Adler Modemärkte nicht vom Insolvenzverfahren von Steilmann betroffen sind. Da Steilmann nach Medienberichten einer der wichtigsten Investoren bei Adler sein soll, werden wir für Sie aber auch zum Thema Adler Modemärkte wachsam die Augen aufhalten.